Warum Paare sexuell beim kleinsten Nenner landen

– und wie sie auf ein neues Level kommen

„Wenn der Sex passt, macht er 10% einer Beziehung aus. Wenn nicht, 90%.“

 

Das war das Motto meines Buches „gesundgevögelt in 12 Wochen“. In so gut wie allen längerfristigen Beziehungen wird das Sexleben irgendwann langweilig oder es findet gar nicht mehr statt. Woran liegt das eigentlich? Wie konnte das passieren? Und wie kommt man  aus der Nummer wieder raus?

 

Interessanterweise sagen die meisten Paare, die das betrifft, dass sie ansonsten glücklich miteinander sind. Sie verstehen sich gut, sind sich in der Kindererziehung einig, wollen auf jeden Fall zusammen bleiben, alles im grünen Bereich. Nur im Bett läuft es nicht mehr, und irgendwie können es beide nicht verstehen. Beide haben sexuelle Bedürfnisse, doch irgendwie kommen sie im wahrsten Sinne des Worte nicht mehr zusammen.  Zu der Frage, wohin die sexuelle Leidenschaft in längeren Beziehungen verschwindet, haben sich schon viele schlaue Köpfe Gedanken gemacht, und einen wie ich finde sehr guten Ansatz möchte ich euch kurz vorstellen.

"Je mehr Vertrautheit zwischen zwei Partnern, desto weniger Erotik"

Ein großer Vorreiter in der Forschung zu diesem Thema ist der Sexualtherapeut Ulrich Clement. Ich hatte vor Jahren mal die Ehre mit ihm zusammen im SWR-Nachtcafe auf der Couch zu sitzen und habe mich seitdem intensiv mit seiner Arbeit beschäftigt. Clement postuliert: je mehr Vertrautheit zwischen zwei Partnern, desto weniger Erotik.

 

Das funktioniert wie ein Naturgesetz: ein Apfel wird immer vom Baum runterfallen und nicht nach oben, und genauso verschwindet sexuelle Attraktion, wenn zwei Menschen dauerhafte Nähe erleben. So wie man den Apfel hochheben muss, wenn man ihn essen will, um der Schwerkraft entgegenzuwirken, muss man für Erotik in der (langfristigen) Beziehung etwas tun.

 

Dahinter steht die Grundannahme, dass Erotik und sexuelle Attraktion vor allem aus Unterschieden zwischen den sexuellen Profilen zweier Menschen entstehen. Zum sexuellen Profil gleich mehr.

 

Vorher möchte ich einen anderen Aspekt kurz erläutern, der als einer der Gründe für den Erotikschwund in fast allen Beziehungen irgendwann zum Tragen kommt: Die so genannte sexuelle Kollusion. Unter Kollusion versteht man ein unbewusstes Arrangement, eine „Vereinbarung“ zwischen zwei oder mehr Beteiligten, die sich nachteilig auf alle auswirkt.  Diese “Vereinbarung“ oder auch Verteilung von Rollen und Machtpositionen ist von außen erkennbar und wirkt oft seltsam oder schwer nachvollziehbar, sie sorgt im Innenverhältnis aber für eine gewisse Stabilität. Sie wird von den Betroffenen in der Regel nicht wahrgenommen und kann durch eine externe Person, zum Beispiel einen Therapeuten oder Coach, aufgedeckt und bewusst gemacht werden.

Machtgefälle & Rollenverteilung

Bei den meisten Paaren entwickelt sich im Laufe der Zeit ein Machtgefälle und eine bestimmte Rollenverteilung im Bett, die häufigste Variante davon ist, dass ein Partner mehr Sex will als der andere.

 

Wo am Anfang einer Beziehung vielleicht nur eine leichte Differenz im Wunsch nach Sex besteht, die von beiden kaum wahrgenommen wird und auch nicht stört, kann sich über Jahre ein Muster verfestigen, in dem ein Partner „immer“ Sex will und der andere „nie“ mehr.  

 

Beide Rollen verstärken sich im Laufe der Zeit, und die Gedankenwelt der Beteiligten sieht dann ungefähr so aus: Der aktive Partner denkt, er ist im Recht, denn Sex gehört zu einer Beziehung dazu, Sex tut gut und ist gesund. Sex zu haben ist wichtig, richtig usw. Der aktive Partner hat die Definitionsmacht darüber, was „normal“ ist, versucht das beim anderen durchzusetzen und ist jedes Mal frustriert, wenn der andere ihn abblockt und sich verweigert.

Der passive Part fühlt sich ebenfalls im Recht, denn er will sein Bedürfnis nach Keinen-Sex-wollen durchsetzen.

 

In Beziehungen gilt die unausgesprochene Regel, dass ein Veto, ein „Nein“ grundsätzlich mehr gilt als ein „Ja“. Das war früher freilich anders, aber in den heutigen Zeiten der sexuellen Selbstbestimmung ist das ein wichtiges Paradigma.

 

Anders gesagt:  Zum „Ja“ im Bett braucht es zwei Partner, zum „Nein“ aber nur einen. Der passive Part sieht es als sein Recht, keine Lust zu haben, und fühlt sich zunehmend vom anderen bedrängt, was seine Lust zusätzlich killt. Der passive Part hat die Kontrolle, die Macht über die Sexualität. Er bestimmt, ob etwas läuft, ist aber ebenfalls frustriert, weil er seiner Verweigerung hängen bleibt und seine Bedürfnisse ebenfalls nicht erfüllt werden. 

 

Es entsteht eine Patt-Situation, in der beide auf ihrem Recht beharren. Im Bett wird dann nur noch das gemacht, was für beide im Rahmen dieser Rollenverständnisse gerade noch okay ist. Der kleinste gemeinsame Nenner. Das alles ist wie gesagt unbewusst, und viele Paare verharren über Jahre in solch einem unproduktiven Rollenspiel, weil sie gar nicht merken was los ist.

 

Die Kollusion ist auch der Grund dafür, dass jeder Partner grundsätzlich der Ansicht ist, der jeweils andere  sei „schuld“ an dem Dilemma. Gleichzeitig entsteht so eine gewisse Stabilität, und die führt zu einem Gefühl von Beruhigung und Sicherheit. Der Sex ist zwar langweilig aber vorhersehbar und kontrollierbar. Oft kommt erst Bewegung in die Beziehung, wenn eine dritte Person auftaucht und einer fremdgeht. Dann bricht das ganze Gebäude mit einem Schlag zusammen. Es muss nicht soweit kommen, denn wenn Paare merken, was sie da treiben, können sie ihre Rollen auch wieder ändern.

 

Hier kommt das sexuelle Profil ins Spiel:

Das sexuelle Profil

Als sexuelles Profil bezeichnen Sexualwissenschaftler die Summe aller sexuellen Erfahrungen, Fähigkeiten, Wünsche, Eigenarten, Phantasien usw. eines Menschen.

 

Jeder Mensch hat ein einzigartiges sexuelles Profil, oder man könnte auch sagen, einen sexuellen Fingerabdruck. Zwischen den sexuellen Profilen zweier Menschen gibt es einerseits Schnittmengen und andererseits Bereiche, die nicht übereinstimmen – und auch nicht kommuniziert werden. Die Frage ist: wie groß ist die Schnittmenge und wie groß sind die Bereiche, die für den jeweils anderen im Dunkeln liegen.

 

Paare, die sich nur innerhalb der (kleinen) Schnittmenge bewegen, sind gelangweilt vom Sex. Ist ja auch kein Wunder. „Keine Lust“ bedeutet in den meisten Fällen nicht, keine Lust „an sich“, sondern „keine Lust auf den Sex, den wir immer machen“.

 

Wenn es Paaren schwer fällt, miteinander über ihre „Dunkelfelder“ zu sprechen oder sich in diese Bereiche vorzuwagen, hilft ein Impuls von außen, ein Buch beispielsweise, der Austausch mit einem anderen Paar oder  ein Coach oder Therapeut. Über die Arbeit mit dem sexuellen Profil kann man der Kollusion in einer Beziehung auf die Schliche kommen, das Paar kann sich neue Themen, Praktiken usw. erarbeiten.  Die wichtigste Voraussetzung hierfür: Neugier! Wenn die beiden Partner es schaffen, auf die versteckten Bereiche des jeweils anderen sexuellen Profils neugierig zu werden, oder wenn beide gemeinsam etwas ganz Neues ausprobieren, kann die alte Rollenverteilung gesprengt werden. Dafür braucht es allerdings ein wenig Mut…

 

Über Kollusionen, sexuelle Profile und was Paare sofort tun können, um sich selber auf die Schliche zu kommen, spreche in meinem Webinar „Warum Paare sexuell beim kleinsten Nenner landen – und wie sie auf ein neues Level kommen.“  Ihr könnt gemütlich von eurem Wohnzimmer (oder Schlafzimmer 😉) mit dabei sein. Hier findest du meine Webinar-Reihe „Sex-Love-Power“. Schau mal rein! Es wird lustig und informativ und bringt eine Menge Erleichterung in deine Beziehung. Lass dich überraschen!

 

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