Angenommen, die Corona-Maßnahmen würden diese Woche beendet – würdest Du am Wochenende Party machen?

Diese Frage ist natürlich hypothetisch. Deutschland und weite Teile Europas stecken mitten im Corona-Lockdown, wir können noch nicht mal zum Friseur gehen, geschweige denn auf eine Party. Doch ich möchte wissen: wie haben sich unsere Gedanken, Ansichten und Gefühle in Bezug auf Nähe und Ausgelassenheit verändert? Können wir uns momentan überhaupt vorstellen, uns mitten in einer verschwitzen Menschenmenge aufzuhalten? Oder bereitet schon der Gedanke daran Unbehagen?  Erste soziologische Studien zeigen, dass die Distanzierungsmaßnahmen und die mediale Dauer-Angstmache, die seit fast einem Jahr unser Leben bestimmen, teilweise dazu geführt haben, dass Menschen sich bereits unwohl fühlen, wenn sie Menschenansammlungen in Filmen sehen.  Die Kontaktbeschränkungen haben auch zu einer starken sozialen Distanzierung geführt. Viele betrachten andere Menschen mittlerweile in erster Linie als potentielle Virenüberträger, Menschlichkeit und Mitgefühl gehen verloren. Interessanterweise sind für Menschen nicht nur die engen Beziehungen zu ihren Nächsten wichtig, sondern auch die lockern Verbindungen etwa in der Nachbarschaft oder zu Fremden im Cafe. Auch dazu gibt es eine aktuelle Studie. Leute in unserer Umgebung, die wir nur vom Sehen kennen und denen wir flüchtig begegnen oder die mit uns zusammen in einem Cafe sitzen, geben uns ein Gefühl von Sicherheit, und das entspannt. Der Mensch ist nicht für Einsamkeit gemacht.
Frag dich doch mal selber: Was fehlt momentan am meisten? Wie ist dein persönliches Verhältnis zu Nähe mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes?

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Ende Oktober habe ich im Rahmen einer Projektstudie mit der Hochschule Merseburg eine eigene Umfrage unter den Besuchern von frivolen Parties, Swingerclubs und Tantra-Workshops gestartet. Ich bewege mich seit vielen Jahren in diesem Feld und bin der festen Überzeugung, dass sexuelle Freiheit – wie auch immer jeder einzelne sie für sich ausdrückt – ein sehr wichtiger Beitrag für Glück und Zufriedenheit und nicht zuletzt auch für Gesundheit von Menschen ist. Im Jahr 2012 habe ich das Buch „gesundgevögelt“ geschrieben, das sich mit genau dieser Thematik beschäftigt.
Heutzutage wirken solche Thesen wohl ziemlich krass. Aber sie sind aktueller denn je, denn wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir in Zukunft leben wollen. Sollen Abstand, Hygiene und Angst vor Nähe unseren zukünftigen Lebensstil bestimmen?  In der Umfrage möchte ich wissen, wie es den sexpositiven Menschen seit März 2020 geht, wie sich ihre Sexualität verändert hat und was sie stattdessen machen, wenn Clubs geschlossen und Parties verboten sind. Bisher haben sich knapp 1400 Menschen an der Umfrage beteiligt, davon knapp 60% in den Altersgruppen zwischen Mitte 30 und Mitte 60. Knapp die Hälfte aller Umfrageteilnehmer hat vor der Corona-Krise 2-3 mal pro Jahr bis einmal pro Monat Orte oder Veranstaltungen mit sexueller Freizügigkeit besucht, 15% häufiger.  50% leben in einer festen Beziehung oder sind verheiratet.

Ein Großteil der Umfrageteilnehmer gibt an, vor der Krise sexuell zufrieden (26%)  oder sehr zufrieden (30%) gewesen zu sein, mittlerweile sind nur noch 12% zufrieden und  19% sehr zufrieden.  Immerhin. Waren vor der Krise weniger als 7% der Teilnehmer nicht oder weniger zufrieden, sind es aktuell knapp 27%.  Auf die offene Frage, warum die Zufriedenheit gesunken ist, schreiben sehr viele, dass ihnen die Begegnungen mit Gleichgesinnten und die ungezwungene Atmosphäre fehlen.  Mehr als die Hälfte fühlen sich durch die Schließungen beeinträchtigt oder sehr beeinträchtigt.

42% der Befragten finden es richtig, dass zur Virusbekämpfung momentan alle Orte, an denen körpernahe und sexuelle Begegnungen stattfinden, geschossen oder streng reglementiert sind. Die Frage, die ich in der Überschrift stelle, ergibt aber bisher ein sehr heterogenes Antwortbild: „Angenommen, ab sofort würden sämtliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus fallen gelassen und der Besuch von erotischen Clubs, Parties & Co wäre wieder uneingeschränkt möglich. Würdest du wieder hingehen?“ Darauf antworten 20% „ja, sofort“. Etwa 17% wären bereit, wieder hin zu gehen, würden aber noch ein paar Tage abwarten. Weitere 17 sind unentschlossen oder lehnen eher ab, weil es ihnen zu unsicher ist.  10% sagen, sie gehen erst wieder, wenn das Virus komplett verschwunden ist.

Wie siehst du das? Selbst wenn du nicht in Swinger-Clubs gehst – würdest du dich wieder in Menschenmassen stürzen? Hättest du Bedenken? Fehlt die die körperliche Nähe? Wenn du jetzt Lust bekommst, noch mitzumachen, klicke auf folgenden Umfrage-Link:
https://survey.hs-merseburg.de/index.php/279644?lang=de-informal

Morgen Dienstag Abend, veranstalte ich ein Webinar, in dem ich diese und weitere Ergebnisse vorstelle und über die Zukunft von Berührung, Nähe und Ausgelassenheit spreche. Und ich gebe ganz konkrete Tipps und Empfehlungen, was Betreiber, Veranstalter und Besucher tun können. Denn einfach nur abzuwarten ist keine Option! Infos dazu und Anmeldung direkt hier:
https://www.eventbrite.de/e/future-for-pleasure-wir-wollen-sunde-tickets-135058554773