Der andere Blick

Kennt ihr den Begriff „Reframing“? Das bedeutet, Dinge bewusst aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.  Reframing ist etwas, das man lernen muss, und es ist gar nicht so einfach. Normalerweise sind Menschen nicht dazu in der Lage, etwas aus einer anderen Sicht als der eigenen wahrzunehmen. Ich sehe diese Unfähigkeit beispielsweise täglich in meiner Arbeit mit Paaren, da ist grundsätzlich „der andere“ das Problem. Sich in die andere Person einmal hineinzuversetzen und das eigene Rechthabenwollen zu hinterfragen, eröffnet neue Welten. Reframing hilft in allen Lebenslagen – auch in der Politik. Seit vor zwei Jahren dieses komische Virus aufgetaucht ist, versuche ich immer wieder, mich in die verschiedenen Positionen hineinzuversetzen und zu verstehen, was hier eigentlich los ist. Vielleicht liege ich ja falsch und bin ein naiver optimistischer Idiot, wenn ich mich von den ständigen Warnungen, Drohungen und Katastrophenszenarien nicht einschüchtern lasse? Manchmal versuche ich, mich in die Gedankenwelt eines Herrn Lauterbach hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie man empfehlen kann, dass jemand ins Restaurant gehen darf, wenn er ein positives PCR-Testergebnis hatte, aber nicht, wenn er nachweisen kann, dass er Antikörper gegen die Krankheit besitzt.  Ich bin nicht wirklich weitergekommen, zugegeben. Nun stolpere ich heute morgen über einen Artikel mit der Überschrift: „RKI warnt vor schlagartiger Erhöhung der Fälle“. Nun gut, schauen wir mal rein, welche Katastrophen uns bevorstehen. „Die Omikron-Welle rollt auf Deutschland zu….Wegen der Omikron-Variante sei mit einer schlagartigen Erhöhung der Infektionsfälle zu rechnen… kann zu einer schnellen Überlastung des Gesundheitssystems und ggf. weiterer Versorgungsbereiche kommen.“

Je nachdem aus welcher Perspektive man das liest, klingt es ganz schön beunruhigend, denke ich mir. Menschen, die Angst um ihre Gesundheit, ihre Angehörigen oder um die Zukunft unseres Landes haben, wird dieser Artikel wohl den Silvestertag ziemlich verderben. Doch dann lese ich weiter und frage mich schon im nächsten Abschnitt, ob man sowas wirklich bis zu Ende lesen kann, ohne sich zwischendurch wenigstens einmal die Frage zu stellen, ob es sich vielleicht um Satire handelt? Im nächsten Satz stehe nämlich: „In 6788 Fällen wurden Angaben zu den Symptomen übermittelt, es wurden überwiegend keine oder milde Symptome angegeben.“

Ähm – ist das jetzt gut oder schlecht, wenn eine Krankheit keine Symptome hat? Ich mit meinem blauäugig- gutgläubigen Weltbild würde sagen, das ist etwas Positives. Scheinbar ist aber gerade das das Schlimme daran. Woanders habe ich mal gelesen, dass diese Krankheit besonders heimtückisch ist, weil so viele nicht krank dadurch werden. Hmm. Alles eine Frage des Blickwinkels? Zum Schluss folgt das Resumee, das RKI schätze die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland als sehr hoch ein. Wie jetzt, weil niemand krank wird? Bei mir bleibt ein Fragezeichen. Reframen zu lernen würde glaub ich allen gut tun, die in dieser Sache was zu sagen haben. In Südafrika sind übrigens seit gestern alle Beschränkungen aufgehoben und den Leuten wird explizit empfohlen, sich zu treffen und zu feiern, damit das Thema dann endlich mal durch ist. Omikron als Chance? Ich bleibe positiv. Im Denken, versteht sich 😉

Interessante Info am Rande, es waren wohl 186 der deutschen Omikron-Infizierten ungeimpft, 4020 waren vollständig geimpft, und davon 1137 geboostert. Ich beschließe, das Thema für heute nicht weiter zu vertiefen und lieber an meinem neuen Sex-Buch zu schreiben. A propos, falls ich es noch nicht erwähnt habe, ursprünglich habe ja ich die 2G- Regel erfunden: gesund gevögelt !

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch, lasst es krachen heute Abend und habt ein wunderbares, glückliches und natürlich gesundes 2022!