Über den „Mein-Ex-ist-ein-Narzisst“- Trend. Und die Gegenbewegung!

Liebe Freunde,

Es gibt ein neues N-Wort. Ich fange bewusst politisch unkorrekt heute an. Denn mir fällt auf, dass es offenbar immer mehr Narzissten in unserer Gesellschaft gibt. Fast in jeder Frauenzeitschrift stehen Artikel über narzisstische Männer und wie frau sie erkennt und sich vor ihnen schützt. Oder sie loswird. Der narzisstische Ex ist schon fast eine neue soziodemografische Bevölkerungsgruppe geworden. „Die moralisierende Gesellschaft hat den Narzissten als das große Arschloch ausgemacht.“ titelte selbst die WELT neulich. Die N-Zuschreibung an jemanden, der einen enttäuscht hat, ist schnell gemacht. Doch was bedeutet „Narzisst“ eigentlich genau? Und stimmt es, dass Narzissten sich meistens „Empathen“ als Opfer suchen? Wohl eher nicht.
Narziss war in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Narzissten sind Leute, die sich nur für sich selber interessierten und den Partner für ihre eigenen Zwecke be- und ausnutzen. In den sozialen Medien lese ich auch über narzisstische Mütter, Kinder, Chefs und diverse weitere N-Gruppen, und immer ist das Fazit: Die sind selbstverliebt, empathielos, egoistisch und überheblich, haben eine Realitätsverzerrung, und man muss sich vor ihnen in Acht nehmen. Krass, wo kommen die denn alle auf einmal her, ist das der neue Trend nach „Me too“? Ist dieser Egoismus ein fehlgeleiteter Ausdruck der zunehmenden Individualisierung in unserer Gesellschaft? Haben Leute keinen Bock mehr, Rücksicht auf andere zu nehmen? Kommt das von den Influencern, die sich von morgens bis Abends um sich selber drehen? Oder ist das Ganze nur ein großer Medien-Hype?

Fachliteratur zu dem Thema liest sich interessanterweise anders, differenzierter. Und sie bezieht auch das „Opfer“ mit ein. Zunächst ist die Unterscheidung zwischen einer echten narzisstischen Persönlichkeitsstörung und der eher küchenpsychologischen Zuschreibung durch andere wichtig. Man sollte vorsichtig sein, einen anderen Menschen – vor allem den eigenen (Ex-)Partner – als Narzissten zu bezeichnen, denn das sagt auch viel über einen selber aus, und zwar nicht, dass man selber besonders empathisch ist.. Das erste, was ich in einem Fachbuch über Beziehungsdynamik entdecke, ist, dass ein echter Narzisst immer einen Komplementär-Narzissten an seiner Seite hat! Dieser offenbart ebenfalls eine narzisstische Symtpmatik, nur andersrum.
Der Schweizer Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychoanalytiker Jürg Willi hat bereits in den 70er Jahren über die so genannte „Narzisstische Kollusion“ geschrieben. Eine Kollusion in einer Beziehung ist so etwas wie eine geheime Übereinkunft, man könnte auch sagen, ein unbewusstes Muster. Das Grundprinzip der narzisstischen Kollusion ist der starke Wunsch beider (!) nach Eins-Sein mit dem Partner. Der Komplementär-Narzisst bewundert und verehrt den Narzissten, möchte mit ihm verschmelzen, ständig nah bei ihm sein und ist bereit, das eigene Leben aufzugeben, unter anderem deshalb, weil das des Narzissten viel interessanter und wertvoller scheint als das eigene. Das kann funktionieren – es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben so verbringen und die auch 20 Jahre nach dem Tod des Partners permanent von ihm schwärmen. Komplementär-Narzisstische Frauen verehren und idealisieren ihre Männer bis zur Selbstaufgabe, sie tun alles für den Mann, ohne Ansprüche für sich selbst zu stellen. Der Narzisst hingegen genießt und braucht diese Bewunderung und Verehrung, baut sein Selbstbewusstsein darauf auf und vereinnahmt sein Komplementär mit Haut und Haaren. Der Narzisst lebt davon, dass jemand sein Spiel mitspielt. Das Paar findet ein Arrangement, eine Art Gleichgewicht, in dem die Mangel-Bedürfnisse beider erfüllt werden. „Der Komplementärnarzisst ist im Grunde auch narzisstisch strukturiert, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Da, wo der Narzisst nur sich selbst bewundern lassen will, will der Komplementärnarzisst sich ganz für einen anderen aufgeben…. Beide weisen die gleiche Grundstörung auf, nämlich ein schlecht konfiguriertes …Selbst“  (Jürg Willi, Die Zweierbeziehung). Die narzisstische Kollusion existiert in verschiedenen Abstufungen, und jedes Paar kann sich selber fragen, inwieweit man zusammen ist, weil man durch den anderen eine eigene Bedürftigkeit befriedigt.

Das Gegenteil davon wäre ein Paar aus zwei autonomen, starken Partnern, die nicht aufgrund einer (emotionalen) Abhängigkeit zusammen sind, sondern aus Attraktion und Liebe. Zwei Menschen, die beide selbstbewusst und in sich gefestigt und auch nach vielen Jahren noch neugierig aufeinander sind.

Gibt es sowas? JA! Und das sind die Paare, mit denen ich arbeite!!

Die gute Nachricht ist – es gibt tatsächlich viele von DIESEN Paaren, und die werden auch mehr. Partner, die auf Augenhöhe kommunizieren, die sich mögen, gemeinsam wachsen und sich gegenseitig herausfordern anstatt sich gegenseitig auszunutzen. Die das Potential haben, ein echtes Power Couple zu werden. In meinem Buch „Heute komme ich zuerst“ habe ich ein Kapitel über Power Couples geschrieben, die Beziehungen zwischen zwei selbstverwirklichten Menschen. An dieser Stelle möchte ich euch mein Buch sehr ans Herz legen, falls ihr es noch nicht kennt. Es ist mein bisher dickstes Buch und auch das inhaltlich intensivste.
„Ein Power Couple ist ein Paar, bei dem beide gleich stark und frei sind. Keiner ist vom anderen abhängig. Es gibt nichts, was sie voneinander brauchen, sie sind aus reiner Attraktion und Liebe zusammen und weil sie zusammen sein wollen. Sie sind zwei freie Individuen, die auch zusammen frei sind. Nur eine von einer Millonen Beziehungen sind Power Couples“. Dieses Zitat stammt aus dem Interview in dem Buch mit meiner Mentorin Sonja Becker, von der ich meine Coachingmethode gelernt habe, und die meinen Mann und mich immer wieder inspiriert, wie wir das Prinzip Power Couple leben können. Ich bin der festen Überzeugung, die Paar- und Sexualberatung müsste sich vielmehr mit den positiven Aspekten von Beziehungen beschäftigen. In den Medien und fast allen Ratgebern geht es ja meistens um die Probleme….

Wie siehst du das? Willst du mehr über die POSITIVEN Aspekte von Beziehungen erfahren? Ich beschäftige mich aktuell im Rahmen meiner Masterarbeit mit den Prinzipien von Life Changing Sex in Langzeitbeziehungen. Und ab Spätsommer schreibe ich ein neues Buch dazu!

Wenn ich deine Neugier geweckte habe, lohnt es sich, mit mir in Kontakt zu treten. Mit meinen Büchern und Coachingprogrammen unterstütze ich Menschen, in ihre sexuelle Power und ihren Selbstausdruck zu kommen, während gleichzeitig ihre Beziehung stärker wird. Erlebe den besten Sex deines Lebens, und die Beziehung wird besser, garantiert! Ich beginne mit Gesprächen, humorvollen Tests und einfachen Übungen, und hier passiert sehr schnell eine Veränderung, meistens bereits nach wenigen Stunden. Das macht sehr viel Spaß und bringt viele AHA-Effekte. Voraussetzung ist, dass beide es wollen oder einer von beiden die Führung übernimmt und der andere sich darauf einlässt.
Schreib mir gerne eine Mail an welcome@susannewendel.de oder vereinbare einen kurzen Call zum Kennenlernen unter https://calendly.com/susanne-wendel/discovery-call

Mehr zu den grandiosen Beziehungen und Life Changing Sex in den nächsten Blogartikeln.

Wie immer freue ich mich über Fragen, Anmerkungen oder Erfahrungsberichte.
Alles Liebe
Susanne